Wie gut ist die Vibroakustik bei Schmerzen eigentlich wissenschaftlich belegt? Diese Frage stellte sich ein Forschungsteam um Jiří Kantor und Elsa Campbell und hat dazu 2022 im renommierten Fachjournal BMJ Open ein sogenanntes Scoping Review veröffentlicht - eine systematische Übersichtsarbeit, die den aktuellen Forschungsstand zu einem Thema zusammenfasst, statt selbst eine neue Studie durchzuführen.
Was der Review untersucht hat
Die Autorinnen und Autoren durchsuchten die wissenschaftliche Literatur nach Studien zur Vibroakustischen Therapie (VAT) bei erwachsenen Schmerzpatientinnen und -patienten. Aus ursprünglich 430 gefundenen Datensätzen blieben nach Prüfung 20 relevante Studien übrig, eine spätere Aktualisierung ergänzte drei weitere Arbeiten - insgesamt wurden also 23 Studien ausgewertet.
Die Ergebnisse im Überblick
Abgedeckte Schmerzformen: 15 Studien befassten sich mit chronischen Schmerzen (etwa Fibromyalgie, neuropathische Beschwerden, Ehlers-Danlos-Syndrom, Kiefergelenksbeschwerden, muskuloskelettale Schmerzen), 2 Studien mit akuten Schmerzen (etwa nach gynäkologischen Eingriffen, Knieoperationen oder Bänderverletzungen), 2 weitere mit beidem und eine mit experimentell erzeugtem Schmerz.
Angewendete Parameter: Die Sitzungen dauerten in der Regel 20 bis 45 Minuten. Die Frequenz von 40 Hz kam über alle Studien hinweg am häufigsten zum Einsatz, meist in Kombination mit Musik.
Wirkung auf den Schmerz: Die meisten Studien berichteten von einer Verbesserung des Schmerzempfindens - allerdings bei sehr unterschiedlichen Studienprotokollen, was einen direkten Vergleich erschwert.
Was die Autoren schlussfolgern
Die Studienautoren kommen zu einem bemerkenswert ehrlichen Schluss: Die Forschung in diesem Bereich sei "zu spärlich, um die Eigenschaften der VAT zu identifizieren, die für das Schmerzmanagement von Vorteil sind". Sie fordern eine standardisierte Berichterstattung zentraler Parameter wie Frequenz, Amplitude, Pulsation und Lautstärke, damit künftige Studien besser vergleichbar werden.
Einschränkungen der Studie
Als Übersichtsarbeit ist dieser Review nur so aussagekräftig wie die zugrunde liegenden Einzelstudien - und die haben laut den Autoren deutliche methodische Schwächen: kleine Stichproben, unzureichende Verblindung und die Schwierigkeit, eine echte Placebo-Kontrolle für Vibrationstherapie zu konstruieren. Viele Studien machten zudem unvollständige Angaben zu den technischen Parametern der verwendeten Geräte, und Langzeitdaten fehlen fast durchgehend.
Einordnung für die Praxis
Diesen Review finde ich wichtig, weil er ehrlich zeigt, wo die Forschung zur Vibroakustik gerade steht: Es gibt eine wachsende Zahl an Studien mit vielversprechenden Einzelergebnissen, aber noch keine ausreichend große, einheitliche Evidenzbasis, um pauschale Wirksamkeitsaussagen zu treffen. Genau deshalb ordnen wir in unseren Blogbeiträgen jede Studie einzeln ein, statt Forschung pauschal zu verallgemeinern. Wer sich für das Thema Schallwellentherapie interessiert, findet in unserer Schallwellentherapie-Kollektion die passenden Geräte.
Dieser Review fasst 23 Studien mit unterschiedlichen Geräten, Protokollen und Studienqualitäten zusammen und ist kein Wirksamkeitsnachweis für ein bestimmtes Produkt. Die Autoren selbst betonen, dass die Evidenzlage noch nicht ausreicht, um allgemeingültige Empfehlungen abzuleiten. Individuelle Ergebnisse können abweichen. Bei chronischen oder starken Schmerzen empfehlen wir grundsätzlich eine ärztliche oder physiotherapeutische Abklärung.

