Als Physiotherapeut sehe ich in der Praxis sehr häufig Menschen mit chronischen, unspezifischen Rückenschmerzen. Geräte-gestütztes Krafttraining, etwa an Seilzug- oder MTT-Geräten, gehört dabei zu den Standardbausteinen. Eine 2025 im Archives of Physiotherapy veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit von Ranzani und Kollegen hat untersucht, ob Krafttraining mit externer Last gegenüber unbelasteten Übungen tatsächlich einen Zusatznutzen bringt.
Was die Studie untersucht hat
Die Autoren werteten 13 randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 778 Teilnehmenden aus (395 davon in der Trainingsgruppe mit externer Last). Verglichen wurde Krafttraining mit Zusatzlast, etwa an Geräten oder mit Gewichten, gegenüber Übungen ohne Zusatzlast bei Menschen mit chronischen, unspezifischen Rückenschmerzen. Erhoben wurden Schmerzintensität, Beeinträchtigung im Alltag, körperliche Leistungsfähigkeit wie Rückenmuskel-Ausdauer und Maximalkraft, sowie teilweise psychologische Faktoren, zu mehreren Zeitpunkten.
Die Ergebnisse im Überblick
Schmerzintensität: Kurzfristig (bis 6 Wochen) zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. Bei längeren Programmen (ab 7 Wochen) fand sich ein kleiner, aber statistisch signifikanter Vorteil für das Training mit Zusatzlast (mittlere Differenz -0,52 von 10 Punkten) - dieser lag allerdings unterhalb der Schwelle, die üblicherweise als klinisch bedeutsam gilt. Nach einer Trainingspause verschwand der Unterschied wieder.
Beeinträchtigung im Alltag: Die Ergebnisse waren gemischt. Kurzfristig zeigte sich ein Vorteil für Training mit Zusatzlast, der sich bei längerer Nachbeobachtung abschwächte oder ganz verschwand.
Körperliche Leistungsfähigkeit: Die Rückenmuskel-Ausdauer verbesserte sich konsistenter mit Zusatzlast. Bei der Maximalkraft zeigte sich kurz- und mittelfristig kein Unterschied, ein moderater Vorteil trat erst nach der Trainingspause auf.
Psychologische Faktoren: Hierzu gab es kaum Daten, keine bedeutsamen Unterschiede bei Vermeidungsverhalten oder Schmerzkatastrophisierung.
Was die Autoren schlussfolgern
Krafttraining mit externer Last bietet gegenüber unbelastetem Training einen kleinen, zeitlich begrenzten Zusatznutzen bei Schmerz und Rückenmuskel-Ausdauer, der aber unterhalb klinisch bedeutsamer Schwellen liegt und sich über die Zeit abschwächt. Die Autoren betonen, dass beide Trainingsformen wirksam sein können und die Wahl von individuellen Faktoren abhängen sollte.
Einschränkungen der Studie
Die eingeschlossenen Studien untersuchten überwiegend jüngere und mittlere Altersgruppen (20 bis 52 Jahre), die Übertragbarkeit auf ältere oder jüngere Personen ist damit eingeschränkt. Die Stichprobe war zudem mehrheitlich männlich (62 bis 64 Prozent), was die Übertragbarkeit auf Frauen einschränkt. Die Trainingsprogramme unterschieden sich deutlich voneinander, Nebenwirkungen wurden uneinheitlich erfasst, psychosoziale Variablen kaum berichtet, und geplante Analysen zum Zusammenhang zwischen Trainingsdosis und Wirkung waren mangels Daten nicht möglich.
Einordnung für die Praxis
In der eigenen Praxis sehe ich geräte-gestütztes Training als einen von mehreren sinnvollen Bausteinen bei chronischen Rückenschmerzen, nicht als Wundermittel - und genau das bestätigt diese Auswertung: Zusatzlast hilft, aber der Unterschied zu unbelastetem Training ist klein und nimmt mit der Zeit ab. Aus meiner Erfahrung ist oft entscheidender, dass überhaupt regelmäßig und kontrolliert trainiert wird, als mit welchem genauen Widerstand. Wer strukturiertes, geräte-gestütztes Training für zuhause oder die Praxis sucht, findet in unserer MTT-Geräte & Seilzugtraining-Kollektion passende Geräte vom Einstieg bis zum Praxisbetrieb.
Diese Übersichtsarbeit bezieht sich auf Krafttraining im Allgemeinen, nicht auf ein bestimmtes Produkt. Individuelle Ergebnisse können abweichen. Bei bestehenden Beschwerden empfehlen wir eine Abklärung mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Physiotherapiepraxis.

